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28. April 2021

„Liebesangst“

– Jennys Erfolgsgeschichte

Für die meisten ist Konformität beruhigend, ja sogar erstrebenswert, um dem unerträglichen Gefühl der Isolation zu entrinnen. Wenn ich vor versammelter Gesellschaft zusammenklappe, wird meine Existenz zum Skandal. Wenn ich gefragt werde, wovor ich Angst habe, dann erinnere ich mich an diesen Moment, an den ich nicht denken will. Ich fühle mich den Kräften der Gesellschaft ausgeliefert, die Welt fällt über mich her, ohne dass ich in der Lage bin, darauf zu reagieren. Ich habe mich nie verurteilt, ich will keine Erwartungen erfüllen, und es passiert trotzdem. Ich traue mich nicht, mich in diesem perfekten Blumenbeet zu bewegen, aus Angst, es könnte irgendetwas keimen, das nicht ins Bild passt. Ich antworte darauf mit Scham und Schuld. Es ist Winter, zwischen Weihnachten und Neujahr herrscht Ausgangssperre. Ich habe einigen Aufwand betrieben, um an diesem Ort sein zu können, an dem es endlich leise, an dem nichts wahrnehmbar ist außer das Knarren des Fußbodens und dem Geruch von heißem Tee. Dankbar und etwas frierend auf der Couch sitzend frage ich mich, was ich mir selber anzutun gelernt habe, aber auf eine ganz andere Weise, als mir diese Frage zu stellen. Die Couch gehört einem Freund, dem ich vor einigen Monaten von einem Seminar an der Uni erzählte, das von den Kulturtheorien der Liebe handelt. Ich wollte unbedingt hingehen, aber hatte Angst, mich dem auszusetzen, denn wer in so einem Seminar sitzt, kommt bei aller Abstraktion nicht umhin, auch über sich zu sprechen. Ich habe Angst vor dem, was ich liebe. Angst ist das Gegenteil von Liebe. Er brachte mich dazu, doch hinzugehen. Nun sitze ich bei ihm auf der Couch, lese „Gründe der Liebe“ und entdecke eine Wahrheit, die banal klingt, aber alles verändert. Liebe ist kein passiver Affekt, dem man unterliegt. Sie ist eine produktive Kraft, ein Akt des Gebens und des Sorgens, der allein mir gehört und weder von der Moral, noch von der Gesellschaft oder einem anderen Menschen abhängt. Es geht nicht darum, etwas zu erhalten. Indem man das liebt, was man liebt, zeigt man, dass man sich selbst liebt. Es bedeutet, Ziele zu haben, die man als die eigenen akzeptieren muss und denen man sich um ihrer selbst willen und nicht bloß um ihren instrumentellen Wert willen hingibt. Wünscht man zu lieben, dann wünscht man, in einer Position zu sein, aus der heraus man mit zuversichtlicher und fester Absicht handeln kann. In diesen Monaten habe ich von der Liebe gelernt, und ich verstecke sie nicht, ich verstecke mich nicht mehr.

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