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26. April 2020

„Keine Angst vor Neuem oder die Welt ist mein Zuhause“

– Fionas Erfolgsgeschichte

Mein Weg von Deutschland nach Patagonien und über Costa Rica zurück nach Berlin.
Schon als kleines Mädchen liebte ich Schnecken. Wie die mit ihrem Haus auf dem Rücken überall zu Hause waren, faszinierend. Mit einer Freundin und deren Familie reiste ich mit einem Campingbus bis nach Irland, wir konnten überall übernachten, am Morgen machten wir die Tür auf und waren woanders und doch hatten wir alles. Toll.

Den Rucksack packen und mit einem Zelt losziehen und du lebst wo du gerade bist. Totale Freiheit. Ich war schon immer gerne unterwegs und nach jeder neuen Entdeckung am Horizont sah ich, dass es dort immer weiter ging.
Nach der Schule zog mich der Ruf der persönlichen Freiheit durch Europa und nach Südamerika. Ich jobbte in Europa für etwas Geld und unterwegs machte ich oft Praktika in für mich spannenden Projekten, denn schließlich war ich auf der Suche nach dem Sinn dieser Existenz und einem Beruf.
Nach über zwei Jahren kehrte ich nach Deutschland zurück und studierte “international forest ecosystem management” in Eberswalde, ein Studium exotisch und weit genug gefaßt, um mich in seinen Bann ziehen zu können.
Das Studium war spannend und paßte gut zu meiner persönlichen Erfahrung, nämlich, dass eben alles miteinander verwoben ist und alles im konstanten Austausch steht. Außerdem machte ich tolle Erfahrungen in den heimischen Wäldern, machte Praktika in Spanien und Kanada, flog mit Helikoptern über verschneite Weiten, wanderte mit inspirierenden Professoren und Mitstudenten durch die wilden Karpaten der Ukraine.

Immer mehr fühlte ich den Ruf der Berge. Ich half auf Alpen in der Schweiz, wurde schliesslich sogar Ziegenhirtin und mit dem Geld und einem vagen Jobangebot noch monatelang entfernt, erinnerte ich mich an einen magischen Ort in den argentinischen Anden, an dem ich damals im Jahr 2005 für mehrere Wochen einfach in einen Waldzauber mit türkisblauem Wasser versunken war.

Kurz darauf saß ich im Flugzeug. Es war Anfang 2010. Der Ort hatte nichts an seiner Magie verloren, ich traf alte Bekannte wieder und eh ich es mich versah, arbeitete ich auf einer Berghütte und begann ein Praktikum im Forstamt aus dem schnell kleine Jobs wurden und ich schließlich eigene Projekte als selbstständige Planerin für nachhaltige Nutzung und Schutz des Bergwaldes schrieb, einreichte und ausführte.

In den Sommermonaten arbeitete ich weiter in den Bergen und lernte meinen heutigen Ehemann kennen, einen jungen Biologen aus Buenos Aires. Wir verliebten uns und er kehrte nicht nach Buenos Aires zurück, sondern begann mit in meinen Projekten zu arbeiten. Bald wurden wir Eltern unserer Tochter Emma, die Projektgelder vom argentinischen Staat versiegten und mein Mann begann immer mehr an den lokalen Schulen Naturwissenschaften zu unterrichten und ich begann auf dem Biobauernhof, auf dem wir wohnten, die Ernte, Verarbeitung und den Verkauf des Obstes zu übernehmen.

Die Entwicklung in Argentinien ließ unsere Chancen im Naturschutz zu arbeiten leider nicht gut aussehen. Wir unterhielten eine kleine Baumschule, die Teil der Umweltbildung in der Schule war, sammelten Samen, forsteten degradierte Flächen mit Nachbarn auf, aber bekamen kaum Geld. Inzwischen erwarteten wir unser zweites Kind und beschlossen, einen gemeinsamen Traum zu verwirklichen.
Es zog uns schon immer beide nach Zentralamerika, wegen des Klimas, der Biodiversität und der Leidenschaft meines Mannes für das Tauchen. Wir nutzten die Chance einfach alles aufzugeben zu können und entflohen Anfang 2018 mit unseren Kindern der nahenden Wirtschaftskrise nach Costa Rica.
Was für ein Leben! Mit zwei kleinen Kindern am Strand leben war eine großartige Entscheidung. Die Affen tobten über unser Haus, das Wasser war warm, wir lebten uns schnell ein und fanden Anschluß.
Wir hatten uns ein kleines Dorf am Pazifik ausgesucht, das unserer Vorstellung von Abgeschiedenheit, Schönheit und Klima entsprach. Ein Thema war allerdings von Anfang an schwierig. In Costa Rica ein Arbeitsvisum zu bekommen ist sehr, sehr schwer. Wir begnügten uns also mit Nebenjobs im Bereich des Tourismus und genossen das Strandleben.

Schon immer hat mich die Auswirkung des Klimas und der Umgebung auf die Lebensart der Menschen fasziniert. In Costa Rica ist alles Pura Vida ( zu deutsch „reines Leben”) und so leben die Menschen in den Tag hinein, die Hitze zwingt dazu, mehrere Stunden am Tag in einer Hängematte zu verbringen und dadurch, dass alles schnell kaputt geht und verkommt, ist es sinnvoll, nur das Sinnvolle zu besitzen, das bezieht sich auf alles, Kleidung, Elektronik und Essen.

Für uns nach Jahren der Ernte und dem Konservieren von Lebensmitteln, um den Winter über gute Nahrung zu haben, war es ein riesiger Kontrast.
Ich arbeitete in einem Hotel, hatte ein kleines Kunstprojekt am Laufen, hatte begonnen für eine kleine Firma zu bloggen, wir kamen über die Runden. Allerdings war es beim Thema bezahlte Arbeit im Bereich Umwelt das Gleiche, wie auch schon in Argentinien. Vorort und zusätzlich noch ohne Arbeitserlaubnis, gab es viele gute Ratschläge der heimischen Kollegen, aber nichts wurde konkret, alles blieb beim Ehrenamt.
Wir bemerkten, dass zwar viele Projekte im Umweltschutz viele Menschen beschäftigten, dass die, die allerdings die Planung machten, immer schon mit dem Projekt rüber kamen und während der Projektlaufzeiten keine Gelder für neues Fachpersonal eingeplant war. Wir standen also am Rande, es gab auch genug “Löcher “ zu flicken, Dinge zu ergänzen, aber die Bürokratie des Apparates ließ es nicht zu, uns zu bezahlen.

Als wir nach Costa Rica gingen hatten wir uns eine Frist gesetzt, wenn wir innerhalb eines Jahres keine reale, gute berufliche Perspektive entwickeln könnten, würden wir nach Deutschland / Europa kommen.
Des weiteren kam hinzu, dass ich in meiner Tochter beobachtete, daß sie nicht wirklich deutsch lernte, obwohl ich mit ihr sprach und ich immer mehr Dringlichkeit empfand, eine Zeit nach Deutschland zu kommen, um meinen Kindern meine Familie, die deutsche Sprache und Kultur nahezubringen.
Auch waren es inzwischen fast 10 Jahre, die ich weit von meiner Heimat verbracht hatte, ich fühlte es, mein Mann war dafür, und so, wenn auch der Abschied hart war, ließen wir Costa Rica nach 15 Monaten Pura Vida hinter uns.

Nun sind wir in Berlin, genießen die Familie und meine Tochter spricht schon gut deutsch, mein Sohn versteht beides gleich gut und beginnt auch schon beide Sprachen zu sprechen, wenn Corona nicht gerade alles überschatten würde, wären meine Kinder jetzt in der Kita und mein Mann begänne ein Praktikum im Umweltamt, während ich mir gerade beibringe, wie man eine Website aufbaut und nach einem Job im NGO Bereich suche.

In diesen Momenten der Krise versuche ich mich darauf zu konzentrieren, dass es immer einen Weg gegeben hat und dass man oft erst den nächsten Schritt erkennt, wenn man eigentlich schon den Fuß in der Luft hat und man erst spürt, was kommt, wenn man seinen Mut zusammennimmt und einfach der Bewegung folgt.
In unserem Kopf gibt es viele Dinge, die uns in unserer Realität undenkbar erscheinen. Was gerade geschieht, erschien mir undenkbar. Und nun ist es Realität. Die menschliche Zivilisation steht still.
Die Natur steht nie still.
Und am Ende der Rechnung sind wir auch ein Teil der Natur und wir werden Wege finden, Corona zu überstehen und die Klimakatastrophe abzumildern, wir dürfen nur keine Angst vor Einschränkungen und Wandel haben.

Natürlich ist Neues oft unbequem und anstrengend. Aber das Wesentliche und Wichtige liegt oft außerhalb der Komfortzone des Bekannten.

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!