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13. April 2020

„Ehrenamt im Seniorenstift“

– Sabines Erfolgsgeschichte

Ich lebe seit zwei Jahren an der Flensburger Förde. Schon als Kind fühlte ich mich sehr zu älteren Menschen hingezogen. Stundenlang konnte ich bei ihnen sitzen und mir ihre Geschichten und Fotos aus früheren Zeiten anhören und anschauen. Auch jetzt als Rentnerin wollte ich etwas Sinnvolles tun, also arbeite ich seit acht Monaten ehrenamtlich, an zwei Tagen in der Woche, in einer Wohngruppe eines Seniorenheims.

Eine alte Dame fiel mir besonders auf. Sie saß meist abseits vom Gemeinschaftstisch mit dem Rücken zu allen Anderen, hatte keine Kontakte und verlernte so allmählich das Sprechen. Sie wurde „isoliert“, weil sie unter einer „Speichelkrankheit“ leidet. Meist läuft ihr der Speichel unkontrolliert aus dem Mund, ihre Nahrungsaufnahme sei deshalb für andere Senioren nicht zumutbar. Oft dämmerte sie allein vor sich her. Die Dame ist 95 Jahre alt und war früher Lehrerin, Kunst- und Literaturliebhaberin, weit gereist und liebte Musik sowie das Singen.

Ich begann mich mit ihr zu beschäftigen, reichte ihr das Essen an, las ihr Gedichte vor, ging mit ihr in den Garten, in die Kapelle und sang ihr alte Volkslieder vor. Die Seniorin ist fast blind und hört nur noch auf einem Ohr und nur, wenn man wirklich laut spricht. Ich beschrieb ihr viele Dinge, die sie nicht mehr sehen konnte und sprach sehr laut und deutlich mit ihr. Nach einiger Zeit wurde sie wacher, gab kurze Antworten auf meine Fragen und lächelte sogar manchmal, wenn ich bei ihr war.

An guten Tagen kann ich mich mittlerweile mit ihr unterhalten. Sie spricht Gedichte mit mir zusammen und singt mit kräftiger Stimme. Und alles mit einem Leuchten im Gesicht. Ich hole sie in den Gesprächskreis der Senior*innen, an dem sie begeistert teilnimmt. An diesen Tagen blüht sie regelrecht auf und das fällt auch dem Personal und den anderen Bewohner*innen positiv auf. Natürlich hat sie auch schlechte Tage, an denen sie nicht viel sprechen kann oder mag, viel schläft.

Aber das Leuchten in ihren Augen und Lächeln an den guten Tagen geben mir jedes Mal das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Denn so trage ich dazu bei, dass ihr Lebensabend auch noch schöne Momente für sie bereit hält.

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!