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12. April 2021

„Wie ich mit meinem Sohn nach einem Schatz suchte und eine kleine Schneeeule fand“

– Thomas‘ Erfolgsgeschichte

Mein Sohn ist 12 Jahre alt und ein Kind seiner Zeit. Einmal das Handy in der Hand, fällt es ihm schwer, es wieder loszulassen und in der kalten Jahreszeit ist es, anders als im Sommer, wo Sonne, Schwimmbad und Ausflüge locken, manchmal unmöglich, ihn von Aktivitäten im Freien zu überzeugen. Oft bin ich viel zu nachsichtig, doch an diesem sonnigen Frühlingstag ärgerte es mich, dass er bei dem schönen Wetter einfach nur auf dem Sofa lag. Zum Glück kenne ich meinen Sohn und seine Interessen und weil ich weiß, wie man ihn locken kann, fragte ich ganz nebenbei, ob er denn wüsste, dass bei uns im Dorf ein Ritter-Schatz vergraben sei. Er schaute kurz interessiert, glaubte mir allerdings nicht, doch als ich nachschob, dass ich ihm zumindest Hinweise zeigen könnte, hatte ich ihn soweit. Er stand auf, zog sich schweigend die Schuhe an und ein paar Minuten später standen wir auf der Straße und musterten gemeinsam ein Schild.
Der Text darauf bewies zumindest, dass es im Ort vor langer, langer Zeit einmal Ritter gegeben hatte. Tatsächlich war es sogar eine Komturei der Deutschritter gewesen, also eines jener mysteriösen Ritterorden, die für ihre Geheimnisse bekannt waren. Und wo es Geheimnisse gab, da gab es auch einen Schatz, schlussfolgerte mein Sohn und setzte seinen Weg in Richtung Kirche fort, die er, schlau kombiniert, bei einem Ritterorden für das erste in Frage kommende Schatzversteck hielt. Nun ist die Kirche erst im 18. Jahrhundert erbaut worden, aber solange der Filius an der frischen Luft war, sollte es mir recht sein. Überrascht war ich erst, als sich an der Kirchenmauer tatsächlich geheimnisvolle Gravuren und Symbole fanden und mein Sohn irgendwann einen Pfeil entdeckte, der geradewegs auf die einzige noch vorhandene Gräbergruppe des Kirchhofs zeigte. Nun lief es auch mir kalt den Rücken runter, denn der Pfarrer, der dort begraben lag, hieß… Ritter, Erbauer der… Die Klus, rief mein Sohn und eilte davon. Ich folgte ihm und wusste genau, dass eine kleine Kapelle abseits des Dorfes, vor fast 300 Jahren erbaut, unser nächstes Ziel sein würde.
Die Sonne ging bereits unter, als wir schwer atmend den kleinen, bewaldeten Berg außerhalb des Dorfes hinaufeilten. Im Tal blühten die Krokusse, hier waren dagegen Bäume und Sträucher noch mit feinem, weißem Puder bedeckt. Je höher der Weg führte, desto mehr Schnee lag am Wegesrand und als wir den Gipfel erreichten und aus dem Wald heraustraten, sahen wir auf eine wunderbare, weiße Winterlandschaft. Im Dämmerlicht lag die Kapelle, nur einen Steinwurf entfernt, unter uralten Buchen verborgen. Der Wind heulte schaurig in den riesigen Bäumen, als wir, von nachtschwarzen Raben beobachtet, das kleine Gebäude erreichten. Die Pforte war verschlossen, doch ein Weg führte an der Kapelle entlang, dem wir, mit der Taschenlampe die Wände ausleuchtend, langsam folgten. Mein Sohn ging, auf die Mauer starrend, leicht versetzt hinter mir, doch bevor wir Zeichen eines verborgenen Schatzes entdecken konnten, stieß er einen spitzen Schrei aus und presste sich ängstlich an die Wand. Mit zittriger Stimme flüsterte er etwas von einem Geist, der gerade mit seiner kalten Hand nach ihm gegriffen hätte. Etwas erschrocken leuchtete ich vorsichtig nach der Stelle, die er mir mit einer Kopfbewegung zeigte. Erst sah ich nichts, dann tauchte im Lampenschein tatsächlich ein eigentümliches Wesen auf, das zwar keine Hände hatte, dem dafür aber ein Ohr fehlte. Wir mussten beide unwillkürlich lachen, als wir uns die seltsame Gestalt aus der Nähe besahen. Es war eine kleine Schneeeule, die Kinder auf ihrem Winterspaziergang gebaut hatten und die jetzt, als Wächter der Kapelle fungierend, ihr Ohr verloren hatte. Mein Sohn gab sich die größte Mühe, das kleine Schneewesen zu vervollständigen, dann machten wir uns auf den Heimweg, um pünktlich zum Abendessen zurück zu sein.

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