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21. April 2016

Jennifer Wünsche „Hart, aber herzlich“

Jennifers Erfolgsgeschichte

Als ich Stefan kennen lernte, befand ich mich mitten in meiner Ausbildung zur Modeschneiderin. Zu dieser Zeit war ich gerade 24 Jahre alt. Wir beide hatten einen gemeinsamen Freund und waren sofort auf einer Wellenlänge. Unser Kontakt wurde immer intensiver und recht schnell wurden wir enge Freunde. Bei einem Treffen zum gemeinsamen Abendessen bei meinem Lieblingsinder Bombay, erfuhr ich, dass Stefan keinen Schulabschluss hatte. Ich fragte wieso und ob er nicht daran interessiert wäre, diesen nachzuholen. Seine Reaktion darauf war sehr verhalten und desinteressiert. Mein weiteres Nachfragen, erschwerte die Situation noch mehr. Er wurde sehr ärgerlich und wütend. Darüber war ich sehr erschrocken und unterließ weiteres Nachbohren.

Es vergingen einige Monate bis ich nochmal auf diesen Thema zurückkam. Ich war inzwischen 25 Jahre und Stefan 24. Immer wieder in Abständen zeigte ich ihm auf, wie wichtig es sei, einen Abschluss heute zu haben. Irgendwann fand ich Gehör und bemerkte, dass er es sich selbst nicht zutraute und auch nicht so recht wusste, wie er das überhaupt in Angriff nehmen könnte. Ich bot ihm meine Hilfe an, dass wir zusammen Recherche betreiben können. Wir fanden einen Träger, wo er seinen Hauptschulabschluss nachholen könnte. Zwischenzeitlich verlor er immer wieder den Mut und seine Launen war alles andere als leicht für mich. Ich blieb am Ball und ermutigte ihn immer und immer wieder. Wir hatten in dieser Zeit aber auch einige heftige Auseinandersetzungen. Das größte Problem war, dass er nicht an sich glaubte. Er hatte unglaubliche Versagensängste und fand immer ein ABER, warum es nicht klappen würde. Wie groß seine Angst war zu versagen, teilte er mir nie wortwörtlich mit, aber seine angespannte und zum Teil aggressive Art, waren nur Ausdruck dessen. Ein guter Freund sagt und zeigt Dinge auf, die nicht immer angenehm sind. Ich wollte nur sein Bestes und das sagte ich ihm auch. Ich bot ihm an, sofern er Hilfe brauchen würde, könnte ich ihm bei den Hausaufgaben helfen. Ich motivierte ihn in regelmäßigen Abständen. Das ganze Unterfangen dauerte auf jeden Fall über 1,5 Jahre. Ich beendete erfolgreich meine Ausbildung als Modeschneiderin und beschloss mein Fachabitur nachzuholen. Vielleicht gab genau das Stefan Mut, dass ich in einem Alter von 26 Jahren auch nochmal aktiv wurde. Da ich über 1 Jahr älter war als er, konnte er die „ich bin zu alt Karte“ nun nicht mehr ausspielen. In Sommer 2011 begann ich mein Fachabitur und Stefan ging wenige Zeit später zu einem Bildungsträger, an dem er seinen Abschluss nachholen konnte. Rückblickend betrachtet, war es eine sehr schwere Zeit und die Freundschaft wurde durch Stefans Verhalten oft auf die Probe gestellt. Es gab auch Wochen, da herrschte eisige Funkstille, aber ich war hartnäckig. Er verfluchte mich oft in dieser Zeit. Aber ein Gutes hat es ja. Stefan schloss mit 28 Jahren erfolgreich seinen Hauptschulabschluss ab.

Stefan bedankte sich bei mir, dass er ohne mich, niemals seinen Abschluss nachgeholt hätte. Im Nachhinein war er mir und meinem Dranbleiben sehr dankbar.

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