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10. April 2015

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„Auf den Brettern, die die Welt bedeuten“

–   Claudia-Marias Erfolgsgeschichte

Kaum kann ich die Sprache der Erwachsenen, spiele ich die „Gute Nacht- Geschichten“ meiner Mama in allen Rollen, singe Lieder in den verschiedensten Tonarten, unterhalte meine ganze Familie, egal, ob sie wollen. Kaum in der 1. Klasse, wünsche ich mir eine große Schultafel und meine 2 Schwestern sind meine Schüler. Hausaufgaben gibt es auch, egal, ob sie wollen.
Alles ist in meine Wiege gelegt: Ich werde Lehrerin und Opernsängerin. Doch… erst ´mal mache ich einen Umweg, lerne einen „ordentlichen“ Beruf, „Steuer- und Wirtschaftsberatung“, so wie Papa sich das wünscht. Ich sitze auf meinem Bürostuhl und kämpfe mich den ganzen Tag durch Paragraphen. Durchhalten, alles hat seinen Sinn.
Und, da ist ja noch die Freizeit. Und so stehe ich das 1. Mal auf der Bühne der Berliner Philharmonie mit den Weltklassekünstlern, ich im Chor.
Nach dem Applaus kommen mir die Tränen, wie ein indischer Monsunregen. Nun ist alles klar, ich will Opernsängerin sein. Alle, ja alle, belächeln mich und hinter meinem Rücken wird getuschelt „ Sie hat ja ´ne ganz hübsche Stimme , aber…“ Keiner glaubt an mich. Doch ich will Gesang studieren. Für die Hochschule der Künste bin ich zu alt. Doch ich will einen Abschluss, so mit Stempel und … finde meinen Weg. Den halben Tag und die halbe Nacht singe ich Tonleitern hoch und runter und lerne 13 Nebenfächer, die andere Hälfte des Tages arbeite ich im Steuerbüro. Bereits nach 2 ½ Jahren, üblich sind 6-8 Jahre, überreicht mir die Deutsche Bühnengenossenschaft mein Opernsolo-Bühnenreifezeugnis, und ein Intendant bietet mir sofort einen Vertrag für Chor mit Soloaufgaben an. Regel Nr. 1: Immer eine 1 Nacht drüber schlafen. Auch beim tollsten Angebot. In dieser Nacht träume ich von einer Solokarriere in Berlin und Umgebung. Aufgewacht greife ich zum Atlas, Umgebung, das heißt: DDR, und so stelle ich mich als 1. Wessi in der DDR vor mit dem Hinweis: Ich will auch Ostmark verdienen, so wie alle am Theater und… bin engagiert. Wow, ich singe alle schönen Hauptrollen, spiele mir die Seele aus dem Leib und stehe allein da, denn die Kollegen machen einen Bogen um mich herum, „können wir der aus dem Westen vertrauen?“. Die Ballettmeisterin stellt mich vor dem gesamtem Ensemble bloß, „die kann ja nicht mal Walzer links´rum tanzen“. Nach 4 Monaten Schweiß und Tränen sind wir ein Team, ich kann auch den Walzer und, wenn es mal nicht klappt, dann schenke ich galant meinem Liebsten auf der Bühne einen Kuss.
Montags bin ich in Berlin, unterrichte Gesang an einer Berliner Musikschule und verdiene Westgeld. Dienstag bis Sonntag singe ich auf den Brettern, die die Welt bedeuten und verdiene Ostgeld.
Heute heißt es „miteinander singen“, ich stehe wieder auf der Bühne der Berliner Philharmonie, veranstalte das 1. Volkslieder-Mitsingkonzert und Tausende singen mit.
Meine Steuererklärung, ja, die mach´ ich selbst.

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!