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4. April 2017

Ottheinrich_400_284

“Zu Fuß nach Venedig”

- Ottheinrichs Erfolgsgeschichte

Ich war gerade zu Besuch bei Gunnar, einem guten Freund in Hamburg. Zu dieser Zeit arbeitete ich als IT-Trainer, war es gewohnt, ständig mit Flieger und Bahn unterwegs zu sein. Wir saßen im Wohnzimmer beim Wein auf dem Sofa und da fragte er mich, ob ich Lust hätte, mit ihm über die Alpen zu wandern.

Ich dachte „Wow!“, das klingt nach einem echten Abenteuer. Ich war sofort Feuer und Flamme. Im nächsten Moment dachte ich natürlich auch: „Oh je, will ich diese Anstrengung?“ Gunnar sprach von 550 km Weg… bereue ich das nicht? Doch dann dachte ich: Egal, ich mach das jetzt! Es gibt so Dinge, die ich selber nicht tun würde… , aber die Chance, so etwas mitzumachen… Wann, wenn nicht jetzt.

Gunnar hatte bereits die theoretische Vorarbeit geleistet, Karten besorgt, die Route erkundet. Ich wusste, dass ich gut bin im Improvisieren und kreative Lösungen unterwegs finden kann, wenn es unvorhergesehene Dinge gibt! Dank meiner Hartnäckigkeit bekomme ich auch immer wieder Dinge hin, die eigentlich unmöglich sind! Ob ich allerdings vier Wochen Urlaub genehmigt bekomme, das musste ich noch klären. Dann noch die Frage, bin ich fit genug? Halte ich das durch?

Das mit dem Urlaub war dann doch nicht so schwierig. Das mit dem Fitsein war eher ein Problem. Ich war durch meine berufliche Reisetätigkeit viel unterwegs und begann eine Fitness-Studiokette zu suchen, die es fast überall gibt. Vor Ort stellte sich allerdings heraus, dass ich nach einem Tag IT-Workshop abends eher mit den Teilnehmern zum Essen ging und nicht zum Sport. Also startete ich das Projekt Treppe hochlaufen bis zum Dachgeschoß… Naja! So richtig gut hat das nicht geklappt. Also musste ich so los und darauf vertrauen, dass meine Kraft und Ausdauer reichen.

Die Urlaubszeit nahte und es sollte losgehen. Doch die Wettervorhersagen waren dermaßen ungünstig, dass wir die Route ändern mussten. Statt über die Alpen ging es von Passau nach Prag. Erstmal eine Riesenenttäuschung… aber schon nach den ersten Kilometern war die Wanderung total schön. Wir merkten, dass wir ein prima Wanderteam sind und genossen den Weg sowie unser Ziel, die wunderbare Stadt Prag.

Ein Jahr später starteten wir unsere Wanderung über die Alpen. Es kam der erste hohe Pass, den wir überqueren wollten. Es war super Wetter… der Hüttenwirt meinte jedoch, es kommt Schnee, ihr kommt da nicht rüber! Tatsächlich schneite es am nächsten Tag und wir mussten stattdessen 36 km um den Berg herumlaufen, durch Regen, es gab nur einen Gasthof unterwegs und der hatte Ruhetag…. Wir mussten weitergelaufen. Kurz vor dem Anstieg am Abend konnte ich einfach nicht mehr. Die Enttäuschung, dass der erste tolle Berg ausgefallen ist und die fehlenden Muskeln raubten mir die letzten Energiereserven. Ich dachte, jetzt geht es nicht mehr. Keinen Schritt weiter! Gunnar kam zurück vom nächsten Haltepunkt, ohne sein Gepäck und half mir mit meinem Gepäck nach oben. Wie gut, dass wir gemeinsam auf dem Weg und ein gutes Team waren.

Nach 3, 5 Wochen, 550 km, über 900.000 anstrengenden Schritten, war der Schritt aufs Schiff, das uns wie die Seefahrer vor hundert Jahren, von der Wasserseite nach Venedig brachte, einer der glücklichsten Schritte in meinem ganzen Leben. Der Kontrast nach den schroffen Bergen, ganz viel Nebel und Wolken, den Wäldern, den Strapazen und nun das wunderschöne Panorama, die Lagune, mit strahlendem Sonnenschein, die klare Luft bis zu den Alpen, das alles war herrlich.

Es macht echt einen Unterschied, ob man mit dem Zug mitten in Venedig ankommt, oder von der Wasserseite das Panorama von Venedig erblickt. Ich habe noch nie solch ein Glücksgefühl gehabt beim Erreichen eines Ziels.

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!