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27. April 2019

„Navigatorische Feuertaufe in England“

– Manfreds Erfolgsgeschichte

Als kleiner Junge schaute ich schon immer sehnsüchtig auf Alster und Elbe. Segeln, das wollte ich auch. Vor allem die großen Segelschiffe hatten es mir angetan.
Später hatten meine Frau und ich selbst ein Segelboot. Doch um echte Segler zu werden, standen uns noch einige handfeste Erfahrungen bevor.

Unsere seglerische Entwicklung starteten wir in Seen und Flüssen. Wir Segler nennen das „Binnengewässer“. Ich war fasziniert davon, meine Jolle zu steuern. Navigation war leicht. Mit einer einfachen Karte konnte man schnell sehen, wo man war. Abends im Hafen trafen wir Segler uns zu intensivem Erfahrungsaustausch. Zusätzlich verschlangen wir Seglerlektüre, die es zuhauf gab. Schnell stellte ich fest, dass es offenbar neben dem Segeln in Binnengewässern noch eine viel spannendere Segler-Welt im Küstenbereich gibt. Mit Leuchttürmen und mannshohen Navigations­tonnen ist auch die Navigation viel komplexer. Die nächste Etappe der seglerischen Herausforderung lag vor mir.
Navigation ist, wenn man weiß, wo man ist. Das ist im Küstengewässer nur möglich, wenn man dauernd die Richtung zu Leuchttürmen oder Navigationstonnen bestimmt. Segler nennen das „peilen“. An vielen Küsten muss man sich außerdem mit Gezeiten und Strömungen befassen. Nach und nach erschloss ich mir diese komplexere Welt der Küstennavigation. Meine Frau und ich fühlten uns schließlich erfahren genug, um einen Segeltörn von Holland zur Isle of Wight zu planen.
Wir planten, von Scheveningen über Dover nach Brighton nach Portsmouth und Southampton zu fahren. Für uns ein Wagnis über eine lange Strecke in unbekanntem Gewässer.
Bis Brighton lief alles prima und wir lernten die englische Südküste von ihrer schönsten Seite kennen. Dann verschlechterte sich das Wetter zusehends und der Wind nahm stark zu. Mehrere Tage warteten wir auf besseres Wetter, um nach Portsmouth zu segeln. Schließlich wurde die restliche Reisezeit knapp und wir beschlossen, trotz hoher Windstärke nach Portsmouth aufzubrechen.

Die Überfahrt dauerte lange und wir kamen nach Sonnenuntergang in die Nähe von Portsmouth. Um den Weg durch die spitzen Steine der englischen Küste zur Hafeneinfahrt  zu finden, suchte ich in der Dunkelheit nach Leuchttürmen und anderen Orientierungspunkten. Die fand ich auch – mehr als genug. Die ganze Küstenlinie flackerte nur so. Das richtige Ansteuerungslicht unter hunderten anderer Lichter zu finden ist der Navigations-Alptraum jedes Seglers. Und das bei sehr starkem Wind und heftigem Nieselregen. Wir hatten Mühe, das Schiff überhaupt auf Kurs zu halten.
Wir nahmen unsere ganze Konzentration und das Küstenbuch zu Hilfe und näherten uns vorsichtig dem vermuteten Hafen. Unser Adrenalinspiegel war am Anschlag. Wir hatten ein beklemmendes Gefühl und einen flauen Magen. Schließlich fanden wir die grün und rot beleuchtete Hafeneinfahrt. Der flackernde Streifen, das erkannten wir nun, war eine Jahrmarkt-Beleuchtung, die auf die Entfernung von den Ansteuerungs-Lichtern nicht zu unterscheiden war.
Unendlich erleichtert fuhren wir schließlich in den Hafen von Portsmouth ein und gönnten uns zur Erleichterung ein „Einlaufbier“.

Wir haben mit dieser Segeltour die nächste Etappe unseres seglerischen Lebens genommen und können nun beim abendlichen Erfahrungsaustausch glücklich und stolz von unserem Abenteuer in England berichten.

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