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25. April 2019

„Anfänger!“

– Beates Erfolgsgeschichte

Ich stand im Friedrichshain, einem großen Park mitten in Berlin auf ziemlich wackligen Beinen. Neben mir stand mein Arbeitskollege. Ebenfalls auf wackligen Beinen. Es war Anfang Mai und wir hatten uns soeben Inline Skates gekauft. Was für eine Herausforderung! Wir waren Anfänger in jeder Hinsicht! Wir konnten nicht skaten, nicht bremsen, nicht fallen und wir kannten uns kaum. Ich schlug vor, dass wir uns hundert Tage Zeit nehmen. Das sind ungefähr 14 Wochen, d.h. wir könnten auf jeden Fall 10 x 2 Stunden üben. Danach Kaffee & Eis zum Reden und Kennenlernen…
Wir träumten dann davon, bis zum August so gut skaten zu können, dass wir auf den Skater Rundkursen im Fläming durch die wunderschöne Landschaft fahren und uns bei der ganzen Sache außerdem näher kennenlernen – vielleicht sogar mehr.

Wir rollten los. Das ging ganz gut. Bis es bergab ging. Ganz leicht und doch wurde ich immer schneller und fragte mich, wie das wohl mit dem Bremsen geht. Schneeflug wie beim Skifahren? Hinten rechts soll ein Stopper sein. Wie geht das? Zum Glück rollte ich langsam aus. Niemand war auf dem Weg. Es ist gut gegangen, aber mir war nicht ganz wohl in meiner Haut.
Auf YouTube gibt es zum Glück viele Videos zum Bremsen und sehr praktisch, auch zum Fallen. Gemeinsam schauten wir uns die verschiedenen Möglichkeiten an und diskutierten die Vor- und Nachteile. Fallen übte ich zuerst. Auf dem Rasen. Ich sank auf die Knie, die Ellbogen und dann erst auf die Hände. Knie-, Arm- und Handschützer hatte ich ebenso an wie einen Helm. Mein Kollege ließ sich genauso ins Gras fallen. Das sah sogar ziemlich gut aus bei ihm. Beim Eis danach entdeckten wir im Internet die TOP10 schönsten Strecken zum Skaten in Berlin und planten unsere nächsten Übungsdates.

Als größte Schwierigkeit erwies sich irgendwie nicht das Skaten an sich, sondern das Bremsen. Beim Schlittschuhlaufen gibt’s Pinguine-Figuren zum Festhalten. Gibt’s nicht irgendetwas zum Skatenlernen?
Anfangs half lautes Rufen „Huch! Vorsicht, ich kann nicht Bremsen!“, wenn viele Menschen auf dem Übungsweg unterwegs waren. Sehr praktisch war auch die „Gras-Bremse“, falls neben dem Weg Rasen wächst. Einfach auf’s Gras zufahren und fallen lassen. Sieht nicht elegant aus, hilft aber vor dem harten Asphaltpflaster. Von mal zu mal spürte ich auch immer besser die Bremswirkung des Stoppers hinten am Skate und durch die entsprechende Gewichtsverlagerung konnte ich die Geschwindigkeit reduzieren. Nicht ganz so schnell wie mein Kollege, aber hier ging es ja nicht um Wettbewerb, sondern um das gemeinsame Entdecken.

Wir philosophierten neben dem Skatenlernen viel über Beziehunglernen. Gemeinsam Spaß haben geht sicher einfach. Wie ist es in Beziehungen mit der Kunst des „Bremsens“. Würde ich mich selber bremsen können, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind? Tragen wir beim Kennenlernen auch Knie- bzw. Herzschützer? Bei diesen Vergleichen mussten wir herzhaft lachen. Aber etwas nachdenklich stimmte es uns trotzdem. Wir übten erstmal fleißig weiter, genossen die schönen Strecken, Biergärten und unsere Gespräche. Als der August näher rückte, nahmen wir unseren Mut zusammen, reservierten einen Campingbus und einen Stellplatz im Fläming. Rundkurs wir kommen! Gemeinsam – nicht mehr als Kollegen – sondern inzwischen als Paar.

Die Fläming-Rundkurse mit den 3 m breiten Wegen aus allerfeinstem Asphalt, die durch Wälder, Wiesen und Felder, vorbei an idyllischen Dörfern führen, haben uns viel Skate-Vergnügen und etliche Herausforderungen gebracht. Manche Strecken fuhren wir erst mit dem Fahrrad ab, um den Schwierigkeitsgrad zu checken, es gab knirschende Eicheln auf dem Weg und dicke Steigerungen und es gab viele attraktive Ziele, schöne Kaffeegärten mit himmlicher Torte. Und genau dort haben wir Bilanz gezogen. Geschafft! Erschöpft und happy saßen wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht vor unserem Kuchenstück und genossen unseren Erfolg. Beim nächsten Schluck Kaffee schmiedeten wir einen neuen Plan für unsere Zukunft – erstmal mit dem Campingbus ans Meer und von dort aus ein neues Abenteuer starten!

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!