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24. April 2019

„Ein kleiner Kindheitstraum“

– Christinas Erfolgsgeschichte

Als ich klein war, hatte ich einen Traum: Fußball im Verein spielen.
Mein großes Vorbild damals war mein Vater.
Ich war stolz, wenn ich sah, wie er zur Seite flog und Bälle abwehrte. Damals dachte ich, dass will ich auch!

Ich war immer schon ein sehr agiles und bewegungsfreudiges Kind. Ich war angstfrei, kletterte auf Bäume, war die schnellste beim 50 Meterlauf und bei den Bundesjugendspielen bekam ich immer eine Ehrenmedaille. Allerdings war mein Selbstbewusstsein nicht besonders groß und ich dachte, es wäre besser, so zu sein wie andere Mädchen. Und so habe ich meine geheimen Wünsche nie laut genug geäußert.

Ich erinnere mich, wie ich mit ungefähr 10 Jahren im Schulsport im Tor stand als wir Fußball spielten. Als einziges Mädchen der Klasse. Ich hatte richtig Spaß und wollte von da an unbedingt in den Fußballverein. Nur dass ich mich nicht traute, meinem Wunsch laut Nachdruck zu verleihen. Es blieb bei zwei, drei zarten Versuchen, meinen Eltern zu sagen, dass ich gerne in einen Verein möchte. Aber entweder war ich zu leise und sie hörten mich wirklich nicht oder sie nahmen meine Äußerungen einfach nicht ernst. Ich ging also nicht in den Fußballverein und versuchte weiterhin, mich an meinen Freundinnen zu orientieren.

Und viele Jahre später, als meine eigene Tochter mit neun Jahren ziemlich direkt äußerte, sie wolle gerne Fußball spielen, erinnerte ich mich an meinen eigenen Wunsch in dem Alter. Schließlich war das ja auch mein großer Wunsch gewesen. Meine erste Reaktion war aber tatsächlich, dass sie doch erst einmal in der Schule in der Mädchenmannschaft ausprobieren solle, ob ihr das auch wirklich dauerhaft gefällt. Nach einem halben Jahr war ihre Begeisterung nicht kleiner geworden und wir suchten nach einem Verein.

Und was soll ich sagen, meine Tochter hat bis dahin viel ausprobiert, aber nichts machte sie mit solch einer Freude und Leidenschaft wie Fußball zu spielen. Zwei Jahre später folgte ihr dann ihre jüngere Schwester, die mit mindestens genauso viel Elan und Selbstverständlichkeit den Ball kickt wie ihre große Schwester.

Jetzt könnte die Geschichte eigentlich zu Ende sein. Die eigenen Kinder erfüllen den großen unerfüllten Traum ihrer Mama. Aber nein, ganz so simpel ist es nicht. Angetrieben durch die Begeisterung meiner Töchter wuchs mein eigener Wunsch nach mehr und ich nahm meinen Mut zusammen und meldete mich in der Frauenmannschaft zu Probetraining. Mein Enthusiasmus wurde allerdings erst einmal etwas gedämpft. Fast alle anderen Spielerinnen im Team waren deutlich jünger und gefühlt dreimal so ballsicher wie ich. Aber ich wollte es versuchen! Es dauerte auch nicht lange und ich wagte den zweiten Schritt. Ich wollte ins Tor. Hier, so glaubte ich ganz fest an meinen Instinkt, würde ich meinen Platz im Team finden. Zu meinem Glück gab es derzeit keine feste Torhüterin und mein Wunsch war für die anderen Spielerinnen eine regelrechte Erleichterung.

Ich war also bald schon als Torfrau im Team und wollte zeigen, was ich kann. Zu Beginn der Saison spielten wir in den Qualifikationsrunden um den Berliner Pokal. Als wir in der zweiten Runde waren gab es beim Endstand von 2:2 ein Entscheidungsschießen. Komischerweise war ich nicht aufgeregt, sondern dachte nur, das schaffe ich. Und als ich den ersten von drei Elfmetern abwehrte, merkte ich wie ich wuchs und das Team hinter mir spürte. Am Ende hielt ich alle drei Bälle und führte unser Team in die nächste Runde.

Ich war einfach nur stolz und fühlte mich angekommen. Natürlich fehlt mir immer noch die ein oder andere Technik und ich muss noch viel üben und lernen. Aber ich spüre das Vertrauen meiner Mannschaft und habe Spaß: beim Training, im Spiel, mit meiner Mannschaft und zu guter Letzt mit meinen Töchtern. Wenn wir mal wieder am Wochenende alle drei den Ball kicken und einfach unser Ding machen.

Mein Trainer meinte übrigens in meinem ersten Feedbackgespräch, dass ich Talent habe und es weit hätte bringen können, wenn ich schon früher angefangen hätte. Wow, was für ein Kompliment! Ich bin einfach nur glücklich, es noch einmal gewagt zu haben. Und das möchte ich auch meinen Töchtern mitgeben: Glaubt an euch und eure Träume!

Mach auch aus Deinem Wunsch eine Erfolgsgeschichte! Lass Dich inspirieren durch das APRIL Workbook!