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22. April 2018

„Grün stanzt besser– als Journalistin in einem Maschinenbau-Startup“

– Katrins Erfolgsgeschichte

Manchmal ist es besser, nicht zu wissen wie kalt das Wasser ist, in das man vorhat zu springen. Mit 40 Jahren habe ich einen beruflichen Neustart gemacht: Von der Welt der Menschen in die Welt der Maschinen. Als Journalistin war ich wahrlich nicht gut darauf vorbereitet, Geschäftsführerin in einem Maschinenbau-Start-up zu sein. Als mein Vater mir das erste Mal von seiner neuesten technischen Entwicklung erzählte, habe ich nicht einmal richtig verstanden, um was für eine Maschine es ging.
Dass ich es trotzdem gewagt habe, hatte einen sehr persönlichen Hintergrund: Ich wollte mit meinem Vater zusammenarbeiten, dessen Lebenssaft zum großen Teil in seine erste Firma und in seine technischen Entwicklungen geflossen ist. Es geschah, dass ich eifersüchtig auf Azubis war, denen er mit Hingabe technische Phänomene erklärte. Und ich verstand: Wenn ich ihn und seine Leidenschaft begreifen wollte, musste ich mit ihm zusammen arbeiten.
Es war und ist mühselig, sich ohne technische Grundlagen ein Verständnis von Maschinen und ihrer Funktionsweise anzueignen. Mir fehlen die Denkkategorien, die passenden Regale, in das ich das Gelernte ebenso leicht ablegen kann wie ich es mit Texten oder Fremdsprachen kann. Aber mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund hat auch Vorteile: Ich muss den größeren Rahmen sehen, das „Warum-mache-ich-das?“ muss beantwortet sein.
Wenn unsere Maschine dazu beiträgt, dass weniger Energie verbraucht wird oder Material im Produktionsprozess eingespart wird, kann ich hier ein Häkchen setzen. Als wir uns das erste Mal um den Green Buddy Award bewarben – den Preis des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg für umweltfreundliche Produktion – war unsere Maschine noch nicht einmal fertig montiert. So richtig glaubte ich noch nicht an den Erfolg. Dass der Preis an eine andere Firma ging, war also folgerichtig.
Doch nach vielen Messe- und Kundenbesuchen ist mir klargeworden: Eine solche Maschine gibt es noch nicht. Jedenfalls wird sie nicht im großen Stil in der verarbeitenden Industrie eingesetzt. Eine elektromechanische Maschine mit Einzelwerkzeugen zum Stanzen von Kunststoffen erreicht ein höheres Tempo bei geringeren Energieverbrauch in der gesamten Fertigungslinie! Zugleich stanzt sie ohne Grat – das ist vergleichbar mit einem Papierlocher, der sehr schnell perfekte Löcher ausstanzt ohne jegliche Fransen an den Rändern. Dieser Grat wird bisher mit weiteren Maschinen entfernt. Wenn ein Unternehmen auf eine Entgratungsanlage verzichtet, spart sie also Material, Energie und Platz ein.
Unsere nächste Bewerbung um den Green-Buddy-Award konnten wir deutlich klarer und selbstbewusster formulieren. Dennoch habe ich die Nachricht, dass wir die Gewinner 2017 sind, erstmal völlig emotionslos aufgenommen. „Danke für die Nachricht – auf Wiederhören“. Meine Freude steigerte sich von Tag zu Tag, bis wir strahlend auf dem kleinen Siegerpodest standen und den grünen Keramik-Bären in der Hand hielten.
Der Green-Buddy-Award hat uns Publicity verschafft und unser Alleinstellungsmerkmal geschärft: technische Innovation, die natürliche Ressourcen schont. Nachhaltigkeit ist bei uns kein modisches Mäntelchen, das wir uns überwerfen, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung weht. Mir war es von Anfang an wichtig, die Firma sozial und ökologisch zu führen: Recyclingpapier, Dienstfahrten mit der Bahn, Mülltrennung und eine ethisch orientierte Bank sind selbstverständlich.
Dennoch: Kein Unternehmen kauft ein neues Produkt, nur weil es grün ist: Es ist schwierig, als junge Firma ohne Referenzprodukte einen Markt zu erschließen und bei Kunden Vertrauen zu gewinnen: Wir müssen ihnen einen so großen Vorteil bieten, dass sie bereit sind, einen gewohnten Ablauf umzustellen und Risiko einzugehen. Inzwischen sind wir kurz davor, eine Maschine zu verkaufen. Von unserem Innovationspotenzial ist auch das Bundeswirtschaftsministerium überzeugt, das uns in den nächsten zwei Jahren mit einer sechsstelligen Summe fördert.
Wenn wir jetzt noch einen verrottbaren Biokunststoff stanzen könnten, der genau die gleiche Eigenschaften wie PVC, PPO oder PC-ABS aufweist und auch die Sicherheitsstandards erfüllt, wäre ich meinem Traum einer ökologisch-sozialen Firma noch näher. Die Politik hinkt mit klaren Richtlinien zu Biokunststoffen hinterher, aber wir stehen bereits in den Startlöchern.

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