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16. April 2019

„Abenteuerlust mit Professionalität verbinden“

– Gabriellas Erfolgsgeschichte

Jahrelang hatte ich Arbeit und Reisen im Wechsel gelebt. Als Erzieherin gearbeitet, Geld gespart, gereist, wieder gearbeitet, erneut gereist. Es ging mir um das Verstehen anderer Kulturen.

In Indien hatte ich vor vielen Jahren am Strand von Puri eine nachhaltige Begegnung. Ein junger Traveller erzählte mir von seinem Praktikum bei Mutter Theresia in Kalkutta. Er wollte am Strand kurz ausspannen, dann aber auch schnell wieder zurück. Er halte sie nicht aus, diese ganzen Indienfreaks, meinte er, es sei so eine andere Welt! Gespannt lauschte ich seinen Erzählungen. Als er zurückging bot er mir an mitzukommen, man könne dort jede Hand gebrauchen. Aber ich traute mich nicht – und wandelte weiter auf den Touristenpfaden.

Wieder in Deutschland arbeitete ich erneut als Erzieherin, machte aber auch das Abi nach. Der Samen war gelegt, doch eine weitere Reise war nötig, damit er aufgehen konnte. Dieses Mal zog es mich nach Südostasien: Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien. Es war die längste meiner drei langen Reisen – und nun kristallisierte sich mein Berufswunsch heraus. Ich wollte in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden! Lange hatte es in mir gegehrt, im Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Laos und Myanmar war es dann plötzlich klar. Ich hatte ein Ziel – oder vielmehr eine Vision. Ich wollte mein „Reiseleben“ professionalisieren, keine Touristin mehr sein, kommen um zu arbeiten und tief eintauchen in die andere Kultur und Gesellschaft.

Zurück in Deutschland schrieb ich mich in der Uni ein – und erfuhr, dass ich jetzt mit 30 Jahren leider schon zu alt für BAFÖG war. Ein Kind wäre ein Grund gewesen, erst jetzt mit dem Studium zu beginnen, eine lange Reise war es nicht. Ich legte trotzdem los, jobbte und erhielt kleine Stipendien für Auslandssemester. Im Hauptstudium (damals gab es in Deutschland noch kein Bachelor- und Masterstudium) spezialisierte ich mich auf Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik.

Mein erster Auslandsjob führte mich in den Tschad. Endlich war ich keine Touristin mehr. Tatsächlich war jetzt alles ganz anders. Ein paar Monate nach meiner Ankunft ging es mit meinem Dienstwagen und einem Fahrer durch die Savanne von N’Djamena nach Abéché. Ich hatte gelernt, mit dem Vierradantrieb umzugehen, dennoch hätte ich die Strecke allein nicht bewältigen können, denn es gab eher Pfade als Straßen – und keine Wegweiser. Alle paar Stunden mal „Gegenverkehr“. Schwer zu erkennen, woran mein Chauffeur sich orientierte.

Wir mussten in der Wüste übernachten, doch dort, wo, wir bei Anbruch der Dunkelheit hielten, gab es keinen Ort und erst recht kein Hotel. Ich bot dem Fahrer an, im Auto zu schlafen und baute mein Moskitodom im Wüstensand auf – eine Art Moskitonetz-Minizelt, dass sich auf einer Plastikunterlage über zwei gebogenen Stangen spannt. Es schützt nicht nur vor Moskitos, sondern auch vor Skorpionen und Schlangen. Um 19.00 Uhr war es bereits stockdunkel und der Tag zu Ende. Ich lag in meinem Moskitodom und schaute in einen überwältigenden Sternenhimmel, hunderte von Kilometern von jeder elektrischen Lichtquelle entfernt. Morgen würden wir Abéché erreichen, eine kleine Wüstenstadt mit Dorfcharakter, wo ich ein Frauenprojekt besuchen und ihren Förderantrag prüfen wollte. Ich lag auf der Isomatte, schaute in den Himmel und freute mich. Ich war angekommen, wo ich hin wollte!

 

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